Kategorie-Archiv: Change & Kommunikation

Konsent oder Konsens?

Nur ein Buchstabe und doch eine andere Welt, Entscheidungen zu finden.

Das Wort „Konsens“ kennen fast alle: Wir diskutieren so lange, bis alle mit der Entscheidung einverstanden sind. Das Wort stammt vom latenischen consensus, was Übereinstimmung und Einhelligkeit bedeutet. Ganz anders der Begriff Konsent, der aus der Soziokratie kommt: Eine Entscheidung gilt, solange keiner einen schwerwiegenden Einspruch hat. Also in kurz: Konsens ist, wenn alle dafür sind, Konsent wenn keiner dagegen ist. Die Auswirkungen dieser Umkehr sind nicht zu unterschätzen: Um zu einem Konsens zu kommen, müssen sich manchmal alle Beteiligten auf einen Kompromis einigen. Der kleinste gemeinsame Nenner kann dann den Konsens herbeiführen. Bei einem Konsent wird der Vorschlag als solcher akzeptiert; die Beteiligten versuchen gemeinsam die Einwände zu minimieren, also die Lösung zu variieren oder möglicherweise nach ganz neuen Lösungen zu suchen, so dass weniger oder gar keine Einwände mehr übrig bleiben.

Bei 10 ist Schluss

Wussten Sie, dass bei Google kein Meeting mehr als zehn Teilnehmende haben darf. Acht wäre eigentlich die höchste Zahl, bei zehn ist aber wirklich Ende.
Google hat sich sehr klare Meeting-Regeln verpasst, was die Zahl und die TeilnehmerInnen-Beteiligung anbelangt. Neben der limitierten Zahl dürfen bei Google-Meetings keine BeobachterInnen und keine Prestige-Teilnehmenden in einer Sitzung sein. Sprich: wer nichts Inhaltliches beizutragen hat, wird entweder gar nicht eingeladen oder fliegt in der Sitzungseröffnung raus. Eigentlich sollten TeilnehmerInnen ohne Meetingbeitrag bis spätestens 24 Stunden vorher absagen. Falls das aber nicht ganz klar ist, wird jede Sitzung damit eröffnet, dass die Teilnehmenden sich outen müssen: Was haben sie konkret zum Meeting beizutragen? Ist ihr Beitrag zu gering, verlassen sie unmittelbar den Raum. Eine andere Regel gilt für all jene, die während eines Meetings das Handy checken oder sonstigen Ablenkungen nachgehen. Auch sie müssen das Meeting verlassen, denn er oder sie kann anscheinend nichts mehr zur Diskussion beitragen.

Partizipation lernen

impulsbüro. begleitete Caritas Hilfe in Not bei einem Bottom-Up-Prozess: aus sieben unabhängigen Einheiten wurde ein Beratungszentrum. Wie diese Einheiten sich kennen lernen, miteinander in Kontakt treten und zusammenwachsen, das bestimmten die Mitarbeitenden. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Chancen und Grenzen der Partizipation“ erschienen in der Zeitschrift ZOE 01/2018

Bis 6. März 2018 können Sie eine kostenlose Ausgabe des  Heftes bestellen, wenn Sie folgendem Link folgen:

http://shop.zoe-online.org/gratis-paket/0491 Neben dem Heft 1/2018 erhalten Besteller auch kostenlosen Zugang zum Online-Portal und zur digitalen App-Ausgabe.

 

 

Mut zur Unsicherheit

Unsicherheit ist zu einer Begleitkomponente des Alltags geworden. Mit vermeintlichen Heilsbringern und einfachen Lösungen werden wir diesem Gefühl, das wir auf wackeligem Grund stehen, nicht beikommen. Sich gegen die Unsicherheit aufzulehnen, bringt in etwa so viel, wie dem Echo zu verbieten, Gesagtes zu wiederholen. Was im ersten Schritt einfach klingt und doch schwer ist, kann helfen. Nämlich die Akzeptanz des Ungewissen als „normaler“ Parameter der Wissens- und Digitalisierungsgesellschaft. Akzeptieren Sie die Unsicherheit als unverrückbare Gegebenheit.

Mitten in der Unsicherheit wird die Rolle der Führungskräfte immer bedeutender. Allerdings nicht jener Führungskräfte, die meinen, auf alles Antworten zu haben. Verzichten Sie als Führungskraft auch darauf, die Unsicherheit mit Checklisten und Planungstools einzufangen. Reden Sie lieber mit Ihren Leuten darüber, was sie bewegt, wie es ihnen im volatilen Umfeld geht und – vor allem – hören Sie zu. Ein Kaffeeplausch, bei dem wirklich zugehört wird (siehe Artikel Kaffeetratsch als Methode) hilft oft mehr als Planungsklausuren.

 

Wirtschaftskammer diskutiert Change Kommunikation

„Kommunikation im Change“ unter diesem Motto fand am Mittwoch, 4. Oktober 2017, eine Veranstaltung der Wirtschaftskammer für Führungskräfte statt. Bei diesem interaktiv aufgebauten Workshop von Gerhild Deutinger ging es um die Rolle der Führungskräfte in Veränderungsprozessen: Wie können sie den Change stützen oder stürzen? Die zweite Hälfte des Seminars befasste sich mit Emotionen und Widerstand im Change. Die 40 TeilnehmerInnen lernten die Unterschiede von aktivem und passivem Widerstand kennen und warum Changemanagement besonders Emotionsmanagement ist. Durch Praxis-Beispiele und den Peergroup-Austausch war ein vertiefendes Verständnis für die nächsten Change-Schritte gegeben.

Wenn zu viel Change krank macht

Change verursacht Stress, dies erhob der Stressreport Deutschland schon 2012 auf Basis von 17.562 Telefoninterviews mit abhängig Beschäftigten zwischen 15 und 77 Jahren, durchgeführt vom Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB und der Bildungsanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA. Die Belastung äußert sich vor allem in Müdigkeit und Erschöpfung, in Rücken- und Kopfschmerzen, in Nervosität, Reizbarkeit und in Schlafstörungen. Der Psychologe und Psychiater Manfred Spitzer vergleicht Unternehmen, die keine Umstrukturierung erleben mit jenen in Umstrukturierung. Er formuliert treffend: „Was auch immer man an Symptomen betrachtet, bei Umstrukturierungen hat man mehr davon!“ Relativ stark belastend im Hinblick darauf, wie Stress entsteht, so Spitzer weiter, seien vor allem das Fehlen von Informationen zu Entscheidungen und Änderungen am Arbeitsplatz sowie zur konkreten Arbeit selbst. Das heißt im umgekehrten Fall: Information im Veränderungsfall hilft, Stress zu reduzieren. Eine gute geplante, organisierte und ehrliche Kommunikation, die durchaus emotional ausfallen darf, erhält die Gesundheit – der Mitarbeitenden wie der Führungskräfte. Mehr zu diesem Thema lesen Sie unter SpringerProfessional.

Sind Neuauflagen wirklich besser?

Diese Frage können seit 26. April 2017 zahlreich ChangerInnen Österreichs beantworten, die zur Präsentation der Neuauflage von „Kommunikation im Change“ gekommen waren. Der Grund für den Verlag SpringerGabler, Heidelberg, war es, wegen der hohen Verkaufszahlen der Erstausgabe mit einer wirklichen Überarbeitung zu punkten. Was ist neu im Gegensatz zur Auflage 1 aus dem Jahr 2013? Alle Beispiele und Interviews sind erneuert; und das macht etwa die Hälfte des Buches aus. Wie in der bisherigen Auflage besteht die Neuauflage aus dem Teil I, der Theorie, und dem Teil II, der Praxis. In Teil II kommen Menschen zu Wort, die einen Change durchführten oder erlebten. Etwa der Bürgermeister von Kindberg, Christian Sander, der eine Gemeindefusion erfolgreich durchgeführt hat. Oder Alexandra Neumann, Kommunikationsverantwortliche für den ÖBB Hauptbahnhof, die über ihre „Geheimnisse“ erfolgreicher Veränderungskommunikation spricht. Ein Manager, der im Zuge einer Umstrukturierung seine Position verlor, schildert eindrücklich, seine emotionale Achterbahn. Das wahrscheinlich beste Learning überhaupt für Change ManagerInnen: Nehmt auf die Gefühle der Betroffenen Rücksicht! Wie das gehen kann, haben bei der Präsentation der Neuauflage die Gäste aus Unternehmen, Organisationen und der Verwaltung diskutiert. Intensiv, lustvoll und direkt: So hat die Neuauflage neue Menschen zusammengebracht, die neue Ideen geboren haben. Und so macht Neuauflage ganz sicher Sinn.

 

Mehr zu „Kommunikation im Change“ – NEUAUFLAGE 2017

 

Erneuerung? Erneuerung!

2012 meinte IBM in einer Studie: Change is the new normal. Das erleben viele Unternehmen und Organisationen heute: ein Wandel folgt auf den anderen, ein Veränderungsprojekt jagt das nächste. Heute fragen wir BeraterInnen uns, wie der Wandel sich ändern muss. Denn mit den bisherigen Instrumenten ist es schwer bis nahezu unmöglich, Neues hervorzubringen. Wir müssen lernen, in Alternativen zu denken. Denn für die Zukunft gibt es keine Blaupause mehr.

Ein Zugang ist, anstatt auf Restrukturierung zu setzen, eine Erneuerung aus sich selbst heraus zu schaffen. Mit einem hohen Maß an Konsequenz und Durchhaltevermögen sowie mit Einbindung der Betroffenen. Und indem man das, was bisher als gut und richtig galt, hinterfragen darf.  Selbsterneuerung startet nicht wie beispielsweise Restrukturierungen mit Zielvorgaben für die Zeit nach dem Change. Selbsterneuerung ist ein dynamischer Prozess, der vielmehr einem gemeinsamen Weg mit vagem Ziel entspricht. Einem Weg dorthin, wo es weh tut, bevor auf einem neuen Weg auch Sinnfragen gestellt werden dürfen. Einen guten Überblick über die Unterschiede von Change und Selbsterneuerung gibt ein aktueller Artikel im deutschen Wirtschaftsmagazin capital zu den 7 Schritten der Selbsterneuerung. Mehr hier!

Und wenn Sie nun neugierig geworden sind, ob es schon Beispiele gibt: Ja! Wie in Deutschland eine öffentliche Verwaltung sich selbst erneuert, können Sie hier nachlesen.
 

Eine Karriere kann viele Richtungen haben

Das Wort Karriere bedeutet dem Wortsinn nach „Fahrstraße“ (lateinisch carrus „Wagen“). Der Begriff im exakten Sinne bezeichnet also jegliche berufliche Laufbahn, ganz gleich ob sie als Auf- oder Abstieg wahrgenommen wird, egal ob als langsames Dahingleiten oder mit Abkürzungen und Umwegen. Dennoch denken wir Karriere immer noch als Kontinuum in einer Organisation oder Branche von einer Ebene in eine hierarchisch nächst höhere. Jede Unterbrechung bezeichnen wir als Karriereknick. Statt ungewöhnliche, neue Formen als Karrierekick zu sehen. Vom Manager, der sich drei Jahre als Lehrer in Brennpunktschulen anstellen ließ. Oder der Pressesprecherin, die ihren stressigen 60-Stunden-Job auf 20 Stunden reduzierte, um sich der Schauspielerei und dem Verfassen von Büchern zu widmen. Was ist Ihre berufliche Fahrstraße? Wo wollen Sie ankommen? Und macht es nicht manchmal Spaß, am Straßenrand anzuhalten und die wunderbare Landschaft einfach nur zu genießen? Vielleicht gibt die Pause nämlich den Blick auf einen viel spannenderen Weg frei, den Sie sonst nicht erblickt hätten.

Kreise statt Hierarchie

Keine Vorgesetzten mehr, keine Positionen und keine Titel. Wenn alle MitarbeiterInnen gleich sind und statt in Abteilungen in Kreisen und in Rollen arbeiten, nennt sich das Holacracy. Der Ansatz stammt aus den USA und wurde vom Unternehmer Brian Robertson in seiner Software-Firma erfolgreich erprobt und umgesetzt. Holacracy arbeitet statt in Abteilungen oder Bereichen mit Kreisen, die befugt sind, selbst Entscheidungen zu treffen. In einem Kreis arbeiten Teammitglieder, die eine oder mehrere Rollen einnehmen können. Über verbindliche Kooperationsregeln und genau definierte Meetingprozesse stimmen sie sich mit anderen Kreisen und Rolleninhabern ab. Dieser Ansatz soll die Eigenverantwortung jeder/s einzelnen MitarbeiterIn erhöhen und die Selbstorganisation von Teams, also von Kreisen deutlich steigern. Die Umstellung von einem klassisch hierarchisch geführten Unternehmen zu einem Holacracy-Unternehmen ist jedoch nicht trivial und kann mitunter zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Wie ein Artikel von Markus Brinsa zeigt: Zukunftsinstitut