Kategorie-Archiv: Moderation & Trainings

Puls messen in der Organisation

Für Mediziner ist die Pulsmessung eine der wichtigsten Untersuchungen. Sie legen ihre Finger auf die Arterie und ziehen so Rückschlüsse auf Frequenz und Qualität des Herzschlags sowie auf die Kreislaufsituation. Pulsmessungen sind auch im Organisationsumfeld machbar und möglich: zu spüren, ob sich die Zahl der Schläge erhöht, ob Auf- oder Erregung herrscht, ob die Stimmung kippt oder ob Gleichklang, Ruhe und Produktivität vorherrschen. Viele Organisationen versuchen über Befragungen herauszufinden, wie es den Mitarbeitenden geht und welche Anliegen, Sorgen und Wünsche sie haben. Auch Fokusgruppen sind ein gerne genutztes organisiertes Instrument. Genauso wichtig erachte ich eine ganz simple Form der Pulsmessung, die jeder Projekt- und Teamverantwortliche, jede Führungskraft jederzeit anwenden kann: das Hinspüren. Kling esoterisch, ist es aber nicht. Beobachten Sie, wie sich Ihr Team im „Ruhezustand“ verhält. Wie gehen die Teammitglieder miteinander um? Wie wird miteinander diskutiert, gelacht, einander geholfen? Was sind die verbindenden Elemente im Team? Wenn Sie eine „Messung im Ruhezustand“ für sich ganz persönlich gemacht – und idealerweise dokumentiert – haben , merken Sie Veränderungen. Sie erleben, wenn der Puls steigt, wenn auf andere Weise diskutiert, gelacht oder einander geholfen wird. Regelmäßig hinzuspüren, sprich konzentriert zu beobachten und zeitgerecht Schlüsse zu ziehen, gehört zur ersten Aufgabe wirksamer Führungskräfte.

Trump als Ideengeber

Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie Donald Trump sinnvoll und gewinnbringend in Meetings einbauen können? Nein? Wir schon und stellen Ihnen hier eine ungewöhnliche Intervention vor.

Ab und zu gelangen Gruppen und Teams an den Punkt, an dem sie sich im Kreis zu drehen beginnen. Die immer gleichen Gedanken werden gewälzt, die immer gleichen Lösungsvorschläge in die Sitzung eingebracht. Donald Trump kann diesen Punkt durchbrechen. Zeigen Sie Ihrer Gruppe oder Ihrem Team ein Bild des US-amerikanischen Präsidenten und stellen Sie die durchaus ernst gemeinte, provokante Frage: „Wie würde Donald Trump unser Problem lösen?“ Was Sie ziemlich sicher als erste Reaktion ernten, ist ein Lachen. Und das befreit bekanntlich. Wenn sich Ihre Gruppe dann über Fake News unterhält, Schimpftiraden ausprobiert oder ganz neue Aspekte entwickelt, die so schräg sind, dass nur ein Präsident Trump auf diese Idee kommen kann, haben Sie ein Teilziel erreicht: Raus aus dem immer gleichen Denkmuster! Jetzt gilt es, die Energie zu nutzen, um neue – konstruktive –Ideen zu entwickeln.

Ein Fingerzeig für ein Wort

Wenn die geballte Faust nach oben geht oder zwei Arme in die Höhe schnellen, dann muss das nicht ein Boxkampf sein. Es kann auch eine geführte Diskussion mit Handzeichen-Regeln sein.

Um Zwischenrufe – gerade bei hitzigen Themen – zu reduzieren, greifen Moderationen gerne auf Körpersignale zurück. Klassisch aus der Schule kennen wir das Aufzeigen mit einem Arm oder einer Hand. Das bedeutet: ich habe etwas zu sagen. Wenn bei einer Handzeichen-Moderation gleichzeitig zwei Finger oder Arme gehoben werden, dann heißt das: ich möchte auf das eben Gesagte reagieren oder kann eine gestellte Frage beantworten. Wer zwei Finger oder Arme hebt, hat Vorrang gegenüber anderen, die sich zu Wort melden. Wichtig ist aber, dass die Zwei-Finger-Meldung wirklich mit Bedacht gewählt wird. Aus der Gebärdensprache übernehmen ModeratorInnen gerne das Zeichen für Applaus bzw. Zustimmung: nach oben gestreckte Handflächen, die aus dem Handgelenk gedreht werden. Nicht-Zustimmung zeigen zwei gekreuzte, gehobene Handflächen. Und wer gar nicht mit einem Vorschlag einverstanden ist, kann eine geballte Faust nach oben recken und schon ist sein Einspruch für alle sicht- und erkennbar.

Eine wunderbare Darstellung der mehr Informationen über Handzeichen finden Sie unter dem Link http://diskussionshandzeichen.wordpress.com. Probieren Sie es aus: Sichtbare Körperarbeit kann manche Sitzung besser strukturieren als viele Worte.

 

 

An der Meetingschraube drehen

„Unsere Meetings sind nicht effizient.“ Diesen Satz hören wir immer wieder. Doch Kosmetikkorrekturen wie das Einführen von Zeitmanagement oder einer Agenda, die Wahl von Internen ModeratorInnen oder der Kauf flexibel gestaltbarer Möbel ändern dran wenig. Warum? Nun, die Meetingkultur ist die sicht- und erlebbare Verdichtung der Organisationskultur. In einem Meeting sehen Sie ein Konzentrat dessen, was in einer Organisation gut oder eben schiefläuft. Drehen Sie an der Meetingschraube, dann beeinflusst das die ganze Organisation. Und da sich diese gerne bewahrt oder quer stellt, bleiben auch Meetingregeln ungelebt. Daher: nicht nur an einer Schraube drehen, es könnte die falsche sein. Betrachten Sie, was Sie bei Meetings am meisten stört und dann überlegen Sie, welche Entsprechung in der Gesamtorganisation das hat. An der richtigen Stelle gebohrt und geschraubt hält deutlich besser!

Kaffeetratsch als Methode

„Gemma Kaffeetrinken?“ Diese Frage hören sicher manche von Ihnen zwischen den Büroräumen und manch einer folgt der Aufforderung gerne, nicht nur wegen des Kaffees – trotz des Kaffees.  Denn einerseits erfährt man in diesem Zeitfenster, was tatsächlich die Themen sind, die im Unternehmen kursieren. Anderseits ist der Austausch mit Personen anderer Abteilungen oder Ebenen beim Kaffee ganz ungezwungen, fast schon gemütlich. Dieses Phänomen macht sich das englische Gesundheitssystem derzeit zu Nutze und führt „verordnete Kaffeetratsch-Runden“ ein. Die heißen dann Huddles, sind unstrukturierte Treffen zwischen verschiedenen Disziplinen. Sie sollen ein Gegenstück zu den klassischen Meetings mit Agenda und Zeitstruktur sein, denn es geht um Austausch, um Tratsch auf Augenhöhe trotz Hierarchieunterschiede, um kurze Zwischen-Tür-und-Angel-Abstimmungen. Huddles ersetzen nicht Teambesprechungen oder Jour Fixe. Sie sind aber ein wunderbares Instrument, um zwischen Teams oder Abteilungen eine Gesprächs- und Vertrauensbasis herzustellen.

 

Lust auf Leoben

Wie funktioniert lokale Demokratie, wie viele Stufen hat die Partizipationspyramide? Diese Fragen beantwortete am 9. Oktober 2017 Gerhild Deutinger interessierten BürgerInnen in Leoben. Im Workshop „Lust auf Demokratie“ im Rahmen der europäischen „Woche der lokalen Demokratie“ konnten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leoben ihre Ideen für ein Miteinander einbringen. Zu finden auf der Facebookseite

Richtig zuhören ist schwerer als man denkt.

Führungskräfte müssen einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Kommunikation verbringen. Einen Aspekt, der in der Vielfalt der Kommunikation oftmals zu kurz kommt, stellen wir Ihnen hier vor: dem Zuhören. Ja, auch zuhören gehört zur Kommunikation. Und das ist ganz und gar nicht trivial.

Die „Ich-verstehe“-Floskel oder das nickende „Mhm“ wird sehr oft beim oberflächlichen Zuhören eingesetzt. Ihre Artikulation kostet nicht viel Aufwand, während man in Gedanken seine eigenen Gegenargumente formuliert und den passenden Zeitpunkt abwartet, den Sprecher zu unterbrechen.

Echtes Zuhören verlangt aber, die eigenen Gedanken und sogar die eigenen Gefühle zurückzustellen. Es geht um ein Verstehen des Gegenübers, um ein Eintauchen in Inhalte des Vis à Vis und in seine Emotionen. Wie können Sie das schaffen?

Starten Sie mit der einfachsten Methode, dem Nachfragen. Stellen Sie passende Wie-Was- oder Wann-Fragen; aber hüten Sie sich vor Warum-Fragen, die nur darauf abzielen, dem Anderen ein schlechtes Gewissen zu machen.

Steigern Sie Ihre Zuhörer-Qualitäten durch Paraphrasieren. Dabei geht es darum, die gehörten Inhalte in eigenen Worten wieder zu geben. Nicht als Wiederholung oder Echo gedacht, sondern als Überprüfung, ob Sie das verstanden haben, was Ihnen Ihr Gesprächspartner zu vermitteln versucht.

Als höchste Stufe versuchen Sie, die Emotionen, die Sie beobachten können, in Wort zu fassen. Etwa: Ich sehe Dir an, dass Dich der Streit mit den Kollegen bedrückt.

Bei all diesen Methoden des Aktiven Zuhören ist eines wichtig: Echtes Interesse am Menschen, der Ihnen gegenüber sitzt.

Widerspruch? Ja, bitte!

„Ich sehe das ganz anders als Sie!“ Welche Gefühle tauchen bei Ihnen auf, wenn Ihnen dieser Satz in einem Meeting entgegenhallt. Aufsteigender Ärger oder beginnende Unsicherheit? Rüsten Sie schon für den Gegenschlag oder würden Sie sich lieber in ein tiefes Loch stürzen, so es sich vor Ihnen auftäte? Wir mögen Widerspruch nicht unbedingt und reagieren oft höchst emotional, wenn jemand unsere Meinung oder Expertise in Frage stellt.

Aber warum eigentlich? Warum nicht einmal entspannt und neugierig sein, wie denn eine andere Meinung aussieht. Vielleicht ist diese neue Sichtweise bereichernd. Unter Umständen löst Sie ein Problem, an dem Sie selbst schon gefeilt haben und bringt Steinchen und Steine ins Rollen, die bei Ihnen Großes bewirken können. Getreu dem Motto von Johann Wolfgang von Goethe: Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht.

Wenn Sie im Widerspruch nicht den Angriff, sondern den dahinter stehenden Inhalt betrachten, können Sie sich außerdem sicher sein: der- oder diejenige die/der widerspricht, hat sich mit Ihrer Meinung und Expertise auseinander gesetzt. Was gibt es also besseres, als auf Augenhöhe mit einer Person über einen Sachverhalt zu streiten, um neue Impulse zu bekommen. Wenn Ihnen das nächste Mal jemand widerspricht, danken Sie es ihr oder ihm mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen, statt mit dem Fehdehandschuh.

 

 

Probieren Sie mal ein „Schweigemeeting“

Wir reden zu viel. Zu oft über das Gleiche, zu sehr um uns zu positionieren statt etwas zu sagen. Es gibt immer noch Unternehmen, in denen der Wert der Arbeit in der Zahl der täglichen Meetings gemessen wird und dort wird geredet, geredet und nochmals geredet. Manchmal täte es uns gut, einfach gemeinsam zu schweigen. Die Redepause als Denkmöglichkeit zu nutzen. Gemeinsam in Ruhe einer Idee nachzuspüren, einen Erfolg wertzuschätzen oder über eine kniffelige Sache nachzugrübeln. Weniger Worte, mehr Denken. Wie wäre es, wenn Sie ein Meeting einmal “ohne Ton” machen würden? Lassen Sie die Highlights und Lowlights, die Erfolge und das, was Sie noch lernen müssen, von allen im Team oder von allen Mitarbeitenden Ihrer Organisation schriftlich Revue passieren. Post-Its an prominenter Stelle – im Foyer, in der Kaffeeküche oder im Konferenzsaal – eignen sich dafür prächtig. Sie werden sehen: der vielfältige Blick auf Zurückliegendes und auf Kommendes kann überaus bereichernd sein.

impulsbüro. auf moderatoren.org

Als erste österreichische Workshop-Moderatorin ist Gerhild Deutinger, Gründerin impulsbüro., auf der renommierten Plattform www.moderatoren.org aufgenommen. Moderatoren.org ist ein von Deutschland aus gehendes Portal für qualitativ hervorragende und professionelle Moderation. Mehr dazu hier.